Die digitale Marketing-Landschaft entwickelt sich schneller als je zuvor. Was gestern noch funktionierte, verliert morgen an Wirkung. Für B2B-Unternehmen im Mittelstand bedeutet das: Wer nicht am Puls der Zeit bleibt, verliert den Anschluss an potenzielle Kunden – und an die Konkurrenz.
Mit 2026 kommen fundamentale Veränderungen in zentralen Bereichen des Online Marketings auf uns zu. In diesem Beitrag und dem zugehörigen Webinar erfährst du, welche Entwicklungen wirklich relevant sind und was du jetzt tun kannst, um vorbereitet zu sein.
Marketing Automation
Von regelbasiert zu intelligent und kundenzentriert
Klassische Marketing Automation hat Prozesse effizienter gemacht. E-Mail-Kampagnen wurden automatisch versendet, Leads wurden nach festen Regeln bewertet, und Workflows liefen nach Schema F ab. Das Problem: Diese Systeme dachten in Prozessen, nicht aus Sicht der Kundenbedürfnisse.
Kundenzentrierte Automatisierung dreht die Perspektive um. Sie basiert auf hyperpersonalisierten Ansprachen, die sich an Verhalten, Interessen und Kontext orientieren. Statt Massen-E-Mails zu versenden, analysiert KI, welcher Inhalt für welchen Kontakt zum richtigen Zeitpunkt relevant ist. Das Ziel ist nicht Effizienz um jeden Preis, sondern langfristige Kundenbindung durch relevante Erlebnisse.
Die Erfolgsfaktoren für KI-gestützte Automation
Trotz aller technologischen Möglichkeiten gilt: KI ist kein Selbstläufer. Viele Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg, darunter:
- Datenqualität und -integration:
Saubere, aktuelle und integrierte Daten sind die Grundlage. KI kann nur so gut sein wie die Daten, mit denen sie arbeitet. - Intelligente Segmentierung:
Erfolgreiche B2B-Unternehmen beziehen Verhalten, Bedürfnissen und Kontext mit ein und nutzen KI dabei gezielt als Unterstützung. - Nahtlose Customer Journey Automatisierung:
Alle Kontaktpunkte müssen miteinander verbunden sein. Ziel ist es, Kunden genau im richtigen Moment mit relevanten Inhalten oder Angeboten anzusprechen. - Ethik, Transparenz und Vertrauen:
Gerade im B2B-Bereich mit längeren Verkaufszyklen ist Vertrauen entscheidend. Ein verantwortungsvoller, DSGVO-konformer und transparenter Umgang mit Daten ist nicht verhandelbar.
Die Kombination aus guter Datenbasis, sinnvoll eingesetzter KI und konsequenter Kundenperspektive ist der Schlüssel zum Erfolg. KI unterstützt, ersetzt aber keine Strategie.
Die KI-gestützte Lead-Maschine
LinkedIn hat sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten B2B-Marketing-Plattformen entwickelt. Vor allem drei Aspekte solltest du im Blick behalten:
- KI-Modelle und Datenschutz: Der Widerspruch ist notwendig
Seit Anfang November 2025 nutzt LinkedIn die Daten seiner User, um eigene KI-Modelle zu trainieren. Für Werbetreibende bedeutet das: Mehr aussagekräftige Daten für präziseres Targeting. Für Nutzende bedeutet es: Fehlende Transparenz und Kontrollverlust.
Du kannst der Nutzung deiner Daten für das Training der KI-Modelle aktiv widersprechen, das ist jedoch vielen nicht bewusst. Als B2B-Marketing-Entscheider solltest du diese Entwicklung im Blick behalten – sowohl für deine eigene Nutzung als auch für die Kommunikation mit deiner Zielgruppe.
- Neue Metriken: Saves und Sends als neue Währung
LinkedIn gewichtet Metriken neu, die aussagekräftiger sind als klassische Likes: Saves und Sends. Diese Kennzahlen zeigen, ob Inhalte wirklich wertvoll genug sind, um sie zu speichern oder mit Kollegen zu teilen.
Für Content-Strategien bedeutet das eine klare Verschiebung des Fokus: Weg von "Gefällt mir", hin zu "Nützt mir".
- Neue Inhalte: LinkedIn wird zur Freizeitplattform
LinkedIn bewegt sich immer weiter weg vom reinen Business-Netzwerk. Tools wie CapCut, Canva und Descript bieten jetzt direkte Schnittstellen zu LinkedIn. Gleichzeitig testet LinkedIn zunehmend Freizeit-Features – etwa kleine Spiele wie ein Mini-Sudoku.
Was bedeutet das für B2B-Marketing? LinkedIn will Nutzer länger auf der Plattform halten, auch in der Freizeit. Das erhöht die Verweildauer und schafft neue Touchpoints für personalisierte Ads. Werbetreibende profitieren von mehr Daten und Interaktionsmöglichkeiten. Gleichzeitig steigt die Konkurrenz um Aufmerksamkeit.
Analytics
Saubere Daten und KI werden Standard
Daten als Grundlage für Optimierungen bleiben auch 2026 unverzichtbar. Aktuell im Fokus: Serverseitiges Tracking wird zur Grundlage für saubere und stabile Daten, cookieless Tracking schließt wachsende Consent-Lücken, und KI sorgt dafür, dass Analytics nicht mehr nur berichtet, sondern aktiv steuert, von Zielgruppen über Kampagnen bis hin zu Automatisierungen.
Damit wird Analytics zur strategischen Entscheidungsbasis im Marketing. Wer früh auf saubere Daten und KI-gestützte Auswertung setzt, schafft die Voraussetzung für präzisere Kampagnen und bessere Ergebnisse über alle Kanäle hinweg.
Wie diese Entwicklungen zusammenspielen und welche Vorteile sie konkret bringen, erklärt dir unsere Expertin ebenfalls im Webinar „Trends im Online Marketing 2026“.
SEO
Search Everywhere Optimization statt klassischer Rankings
Für SEO verändern sich die Spielregeln: Google integriert KI-Antworten direkt in die Suchergebnisse, ChatGPT und andere Large Language Models werden zu eigenständigen Suchmaschinen. Das Ergebnis: Weniger Klicks auf klassische organische Ergebnisse.
AI Overview und Google KI-Modus: Die neue Suchlandschaft
Google rollt AI Overview immer weiter aus. Nutzende bekommen Antworten direkt in den Suchergebnissen präsentiert – ohne auf eine Website klicken zu müssen. Besonders betroffen sind informelle Suchanfragen und Vergleiche.
Die Konsequenz: Weniger organischer Traffic, selbst bei guten Rankings. Wer auf Position 1 steht, bekommt trotzdem weniger Besucher, wenn Google die Antwort schon in der AI Overview liefert.
Search Everywhere Optimization: Die neue SEO-Strategie
Klassisches SEO allein reicht somit nicht mehr aus. Wer 2026 gefunden werden will, muss auf mehreren Kanälen präsent sein: In klassischen Suchmaschinen, in AI Overviews, in ChatGPT und in sozialen Netzwerken.
Daraus ergeben sich konkret zwei Ziele:
- "Ich will zitiert werden": Fokus auf strukturierte, hochwertige Inhalte, die für Large Language Models optimiert sind. Klare Antworten auf konkrete Fragen sind hier ebenso wichtig wie strukturierte Daten, FAQs und How-to-Inhalte.
- "Ich will genannt werden": Fokus auf Marke, PR, externe Sichtbarkeit und Community-Engagement. Wer oft erwähnt wird, wird auch von KI-Systemen als relevante Quelle wahrgenommen.
Die richtige Strategie hängt von deiner aktuellen Position ab, beispielsweise ob du bereits eine starke Marke aber wenig Inhalt hast, oder aber eine schwache Marke und viel Content. Nutzerverhalten ändert sich schrittweise. Wichtig ist, diese Entwicklung früh zu berücksichtigen, statt erst dann zu reagieren, wenn der organische Traffic bereits deutlich zurückgeht
SEA
Omnichannel, KI-first und Audience-Targeting
Einige große Trends prägen die Entwicklung im Bereich Suchmaschinenwerbung: KI-first, smarte Kampagnen, neue Formate und Ziele, Omnichannel-Ansätze, bessere Daten und Tracking sowie Audience-first-Targeting.
Performance Max und AI Max: Die neuen Kampagnentypen
Performance Max (PMax) ist bereits Standard, wird aber 2026 noch mächtiger. AI Max als Weiterentwicklung steht in den Startlöchern. Was bedeutet das konkret?
- Automatisierte Anzeigenerweiterungen: URLs und Anzeigentexte werden von der KI ausgesucht und optimiert. Bestehende Assets werden automatisch erweitert.
- Automatisiertes Bidding: Nutzersignale werden mithilfe von KI analysiert, Gebote automatisch angepasst.
- Flexibles Targeting: Die User Journey kann über mehrere Touchpoints ausgebaut werden – in Kombination von Search, Display, Video und App Anzeigen.
Der Nachteil: Du gibst Kontrolle und Steuerung ab. Die KI entscheidet, wo deine Anzeigen ausgespielt werden. Das erfordert Vertrauen – und vor allem: gutes Tracking. Ohne saubere Daten kann die KI nicht optimal arbeiten.
Audience-first statt Keyword-first
Das klassische Keyword-Targeting verliert an Bedeutung. Stattdessen rücken Nutzersignale in den Mittelpunkt: Interessensgebiete, Nutzerverhalten, demografische Merkmale und Kaufabsicht.
Das bedeutet nicht, dass Keywords irrelevant werden. Aber sie sind nicht mehr der primäre Hebel. Erfolgreiche SEA-Kampagnen 2026 denken in Zielgruppen, nicht in Suchbegriffen.
Tracking wird wichtiger denn je
Je mehr Kontrolle du an die KI abgibst, desto wichtiger werden Daten und Tracking. Regelmäßige Auswertungen und kontinuierliches Monitoring sind unverzichtbar. Die KI optimiert, aber du musst verstehen, was funktioniert – und was nicht.
Werbung in AI Search kommt
Google experimentiert bereits mit Anzeigen in AI Overview. ChatGPT und andere LLMs werden folgen. Wer frühzeitig versteht, wie Werbung in KI-Suchumgebungen funktioniert, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil.
Fazit: Jetzt handeln, nicht abwarten
Die Online-Marketing-Trends 2026 sind keine ferne Zukunft mehr – sie sind bereits Realität. KI verändert Marketing Automation, LinkedIn wird zur Lead-Maschine, Analytics wird zur Entscheidungszentrale mit serverseitigem Tracking als Basis, SEO muss auf AI Search reagieren, und SEA wird zur Omnichannel-Disziplin.
Für B2B-Unternehmen im Mittelstand bedeutet das: Wer jetzt handelt, sichert sich Wettbewerbsvorteile. Wer abwartet, verliert gegebenenfalls den Anschluss.
Die gute Nachricht: Du musst nicht alles auf einmal umsetzen. Priorisiere die Themen, die für dein Unternehmen am relevantesten sind. Starte mit Quick Wins und baue dann Schritt für Schritt deine KI-gestützte Marketing-Infrastruktur auf.